Planet Bratwurst

Von Würsten, Menschen und dem ganzen Rest

Berliner Schwurbel-Indianer

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Berlin 2007
Weltmusik mag ich prinzipiell sehr gerne. Was ich nicht mag sind als Indianer verkleidete Musiker, die mit gigantischen Rohr-Blasinstrumenten und ihren mit Ziegenfell bespannten Riesentrommeln die Fussgängerzonen Deutschlands terrorisieren. Mit ihrer fürchterlichen Schwurbel-Musik. Dem gequälten Gesichtsausdruck bei der Darbietung. Den schicksalsschwangeren Gesangseinlagen. Und vor allem mit den Verstärkern die sie benutzen.

Ein typischer Schwurbelindianer bei der ArbeitIn einem großen deutschen Nachrichtenmagazin standen kürzlich einige interessante Information über unsere Hauptstadt. Verglichen mit anderen Haupt- und Millionenstadten sei Berlin die leiseste, langsamste und normalste der großen Metropolen. Jeder zweite Einwohner lebe von Arbeitslosengeld, Rente oder Hartz IV. Der typische Berliner ist also, statistisch betrachtet, alt oder arm. Ein Großteil der Erwerbstätigen arbeitet nicht in der freien Wirtschaft sondern im öffentlichen Dienst. Berlin müßte also auch eine verhältnismässig billige Hauptstadt sein.

Und in der Tat: ein Selbstversuch bestätigt dies. Der morgendliche Einkauf bei der kleinen Türkin um die Ecke, im Stadtteil Moabit, beschert uns frische Brötchen, das Stück für acht Cent. Drei leckere Croissants kosten zusammen(!) einen Euro. Wo gibts denn so was? Die Berliner Zeitungen kosten glatt die Hälfte der ebenfalls im Angebot befindlichen Süddeutschen. Momentaufnahmen. Ich weiss. Aber der Cappuchino „Unter den Linden“ kostet auch nicht viel mehr als am Nürnberger Hauptmarkt und dass es an dieser ehemaligen Prachtstrasse Thüringer Bratwürste (bereits gebraten) an einem Stand für einen Euro gibt, finden wir sogar ziemlich befremdlich. So werden die Berliner wohl arm bleiben! Und genervt. Von den Schwurbel-Indianern.

Denn die sind überall. Als Tourist in der Hauptstadt entkommt man Ihnen zumindest nicht. Vielleicht noch in der Kuppel des Reichstages, dem Berliner Dom oder dem Holocoust-Denkmal. Ansonsten ist es schwierig . . .

Alles was in drei Tagen geht, haben wir auch besichtigt. Sind mit dem städtebaulichen Gesamtkonzept des Regierungsbezirkes, dem Potsdamer Platz, sowie den einzelnen Bauwerken sehr zufrieden. Wie es schon ein Kollege in seinem Blog (den es leider nicht mkehr gibt) kürzlich geäußert hat, geht es uns auch. „Wir fühlen uns als Deutsche super repräsentiert“. Nur etwas anheimelndes hat uns gefehlt. So ein kleines Fachwerkhaus mit Butzenscheiben – irgendwo. Das wäre schon auch schön. In Berlin.

Nachdem wir die Liste der geplanten Besichtigungen „abgearbeitet“ hatten, fragte mich die beste Ehefrau von allen, ganz Fränkin: „Ha’m ‚mer eddz alles?“ Mir fiel darauf nur ein zu antworten: „Was Berlin angeht schon. Aber ich würde gerne noch die Indianer an einen Marterpfahl binden“.

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