Planet Bratwurst

Von Würsten, Menschen und dem ganzen Rest

Blauer Dunst

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Clint Eastwood
Am vergangenen Donnerstag ist mir Clint Eastwood begegnet. Er kam gerade in „White Rocks“ an, führte sein Pferd am Zügel die staubige Hauptstrasse hinunter auf den Saloon zu. Dämmerung. Einsetzender Regen. Er blieb trotzdem auf der Strasse stehen, klappte extrem langsam das eine Ende seines Ponchos nach oben um an die Brusttasche seines Hemdes zu gelangen, woraus er zunächst ein kleines Zigarillo und danach ein Zündholz zog. Letzteres entflammte er auf jene geheimnisvolle Weise, die uns, die wir schon ein Leben lang auf die leicht angerauhte Fläche einer Streichholzschachtel angewiesen sind, schon immer fasziniert hat.

In der ganzen Szene wird sein Gesicht natürlich von seinem breitkrempigen Hut beschattet. Erst als er genüsslich die erste Rauchwolke ausstösst, zeigt er uns, das Zigarillo zwischen den Zähnen, sein Gesicht, und betritt den örtlichen Saloon.

Auch Lee van Cleef, als Revolverheld ‚Colonel Mortimer‘, stets piekfein im schwarzen Anzug, spielt etwas später in der Westernstadt El Paso mit dem Feuer. Er entflammt, recht tollkühn, ein Zündholz am Hosenträger des buckligen Klaus Kinski, genannt „Wild“, um sich seine weiße Pfeife damit anzuzünden (dieser Moment ist auch im Trailer unten zusehen). Mit Mut hat das nicht unbedingt etwas zu tun. Vielmehr mit der Tatsache, dass alle wissen, die ihm dabei zusehen, dass er mit seinem überlangen Revolver schneller und zielgenauer umgehen kann als jener „Wild“ mitsamt seinen drei Begleitern.

Außerdem ist Kinski in der Stadt um die Bank für einen Überfall auszukundschaften. Nicht um sich zu duellieren. Und so beobachte ich Lee van Cleef bei weiteren lässigen Frechheiten, die mit Feuer und blauem Dunst zu tun haben.

Der Film um den es hier geht, stammt aus dem Jahr 1965, wurde von Sergio Leone gedreht und heisst „Für ein paar Dollar mehr“. Kategorie Italo-Western.

Ein wunderbares Kapitel der Filmgeschichte. Eine Wohltat nach all den amerikanischen, stets glattrasierten Cowboys mit Ihrer schwülstigen Lagerfeuer-Romantik. Die Typen in diesem neuen Genre waren nun unrasiert, dreckig und knallhart. Frauen spielten kaum eine Rolle, und wenn, dann nur um als Täubchen oder Püppchen tituliert zu werden und den männlichen Helden das Leben angenehm zu machen.

Wahrscheinlich war diese Art Film der letzte Auslöser für die Emanzipation der Frau, die dann Alice Schwarzer einige Jahre später auf den Plan rief.

In dem Streifen der circa 127 Minuten lang ist, werden mit ziemlicher Sicherheit 80 Minuten lang Menschen gezeigt, die damit beschäftigt sind Qualmwolken zu produzieren und auszustossen. Niemand wäre damals auf die Idee verfallen, ein „Rauchen verboten“-Schild an die Saloontür zu hängen.

Oder können Sie sich Ricks Café in Casablanca ohne blauen Dunst vorstellen? Pulp Fiction, Der Clou, Schindlers Liste, Big Lebowski oder „Kill Bill 1+2“, um nur einige weitere Filme zu nennen, ohne Zigaretten?

Rauchende Helden sind nun mal „cool“!

Weltnichtrauchertag immer am 31. Mai

Trotz aller Begeisterung für den Italowestern mache ich hier einen Szenenwechsel: Im Eingangsbereich eines sehr beliebten örtlichen Steakhauses bot sich uns kürzlich ein armseliges Schauspiel. Die Fische im Salzwasser-Aquarium beobachtend, stand da ein Mann, alleine, und rauchte eine Zigarette. Sehr unkommunikativ. Unterhaltung mit Fischen.

Aus dem angrenzenden Gastraum drangen derweil die Stimmen seiner nicht rauchenden und deshalb vielleicht fröhlicheren Tischgenossen.

Der Mann war nicht Clint Eastwood. Selbst wenn: Leute die an kleinen Glimmstengeln saugen und sich von diesen abhängig fühlen, den Lebensrhythmus diktieren und sogar die Gesundheit ruinieren lassen, sind ohnehin arm dran. Ausgegrenzte Raucher sind erst recht nicht cool. Auch wenn sie vielleicht Helden sind – im Film.

Das Innere des Steakhaus ist längst rauchfrei. Was ich als durchaus angenehm empfinde. Denn ich bin kein Held. Aber ich rauche seit acht Jahren nicht mehr. Und eingefallen ist mir das alles, weil heute wieder einmal Weltnichtrauchertag ist. Wie seit 1987 an jedem 31. Mai. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihn damals zu recht ins Leben gerufen.

In Deutschland starben im Jahr 2011 trotzdem noch 14.500 Frauen und etwa 31.000 Männer an Lungenkrebs. Ein Schelm ist sicher, wer behauptet, man kann auch ohne zu rauchen an Lungenkrebs sterben.

Zur Raucherei gibt es weitere Zahlen. So sollen im Jahr 2012 in Deutschland rund 225 Millionen Zigaretten geraucht worden sein. Die Zahl bezieht sich aber nur auf versteuerte Tabakwaren. Die wahre Zahl ist definitiv blauer Dunst.

Ein Kommentar

  1. Hast Du schon mal die Fernsehserie MADMEN gesehen? Spielt in einer New Yorker Werbeagentur in den 1960ern. In 98% der Einstellungen ist irgendeiner am Rauchen und/oder trinken. Sehr empfehlenswerte Serie übrigens.

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