Planet Bratwurst

Von Würsten, Menschen und dem ganzen Rest

Der Hutmacher aus Regensburg

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Die Playboyausgabe, die dem Hutkönig durch schwierige Zeiten geholfen hat.

Handwerk ist ein Kopfwerk. Ganz besonders zutreffend ist diese Aussage bei den Hutmachern, einem historischen Handwerksberuf. Andreas Nuslan aus Regensburg, der einzige Hutmacher und Modistenmeister weltweit, ist derzeit mit einem Teil seines Teams auf der Freizeitmesse im Nürnberger Messezentrum zu Gast.

Mitglied einer Hutmacherfamilie zu sein, die bereits in der fünften Generation den Beruf lebt, ist ein Grund für Andreas Nuslan stolz zu sein. Seit 1875 beherrscht der „Hutkönig“ aus Regensburg das Hutmacher-Handwerk.

Dabei ist Herr Nuslan der einzige Mann in ganz Europa der zugleich Hutmachermeister und Modistenmeister (Putzmacher) ist. Mit beiden Meistertiteln für Herren- und Damenhüte fertigt er seine Modelle mit Team in seiner alten Regensburger Hutmacherei. Etwa 15000 Kopfbedeckungen gibt es dort zu bewundern.

Auf die Frage wie es möglich ist, dass seine Firma die langen Hut-Krisenjahre so gut überstanden hat, gibt er strahlend zu Protokoll, das habe er einer Playboy-Ausgabe aus dem Jahr 1996 zu verdanken. Er holt das Heft sogleich unter der Theke hervor und schlägt zielsicher den entsprechenden Artikel auf. Den Playboy-Hasen des Monats geflissentlich ignorierend.

Seit der Artikel über seine Firma in dem Heft erschien, rollt eine Medienwelle über ihn hinweg. Über 400 Stunden TV-Zeit, in der über den Hutmacherkönig weltweit berichtet wurde, hat er bereits addiert und legt sogleich einen dicken Ordner neben die Playboy-Ausgabe, in der alles gesammelt wird, was die Presse berichtet. Jüngster Nachweis ist der Besuch eines südkoreanischen Fernsehsenders. Immerhin gehört die TV-Anstalt MBC aus Seoul zu den vier größten des Landes.

Als Ironie des Schicksals betrachtet Andreas Nuslan die Tatsache, dass seine besten Kunden heute die 68er von gestern sind, unter denen es lange Zeit verpönt war, überhaupt Hüte zu tragen. Eine kurze Ausnahme bildetet nur die kurze Ära der Hippie-Schlapphüte. Dabei sind Hüte ein Stück europäischer Kulturgeschichte und bis weit in die 1960er-Jahre hinein sei kaum eine Mann ohne Hut oder wenigstens eine andere Kopfbedeckung aus dem Haus gegangen.

Dass Hüte wieder Mode sind, ist in den Städten dieser Welt überall zu sehen. Junge Männer hängen ihre Caps in den Schrank und tragen derzeit gerne die kleinen Gangsterhüte, die man aus Filmen über die 1920er Jahre kennt. Aber auch klassische Filzhüte, Panama Hüte, lockere Strohhüte oder legere Stoffhüte werden zunehmend wieder auf Köpfe gesetzt und auch in der Öffentlichkeit gezeigt.

In der Damenmode ist das weniger stark ausgeprägt, aber das Team von Andreas Nuslan beobachtet seit etwa fünf Jahren eine jährliche Zunahme ihres Geschäfts von circa zehn Prozent und befriedigt jeden Kundenwunsch.

Für einen echten, von Meisterhand hergestellten Hut muss man als Mann übrigens einen Betrag von 100-500 Euro ausgeben. Bei den Damenhüten spielen neben dem verwendeten Material häufig zusätzliche Accessoires eine wichtige Rolle, so dass es kaum Grenzen nach oben gibt. Sowohl bei den Wünschen als auch beim daraus resultierenden Preis.

Der Hutkönig Andreas Nuslan
Andreas Nuslan in Person auf der Nürnberger Freizeitmesse. Er gibt mit großer Begeisterung Auskunft über sein Traditions-Handwerk des Hutmachers. Er ist der einzige Mann weltweit, der die Titel Hutmacher- und Modistenmeister führt.

Handwerkszeug der Hutmacher

Modistin Melanie
Modistin Melanie arbeitet seit 15 Jahren in der Hutmanufaktur „Hutkönig“ und geht niemals ohne Hut aus dem Haus. Sie hat etwa 20 Hüte im Schrank, die sie alle selbst angefertigt hat.

Hutkönig
Am Messestand des Hutkönigs waren auch alte Handwerksgeräte und einige der etwa 5000 unterschiedlichen Holzhutformen aus den verschiedenen Epochen zu bewundern, über die der Traditionsbetrieb verfügt.

Mein nächstes Modell
Ab sofort spare ich auf dieses Modell. Das Preisschild, auf dem steht, 298 Euro, fanden ich doch etwas schockierend. Wenn auch der Hut sehr schick ist.

Modistin Nathalie
Auch die fröhliche Modistin Nathalie arbeitet bereits seit 10 Jahren in ihrem Beruf beim Hutkönig. Sie gibt an, über neun selbstgemachte Hüte zu verfügen, aber eine noch viel größere Anzahl an Mützen füllen ihren Schrank.

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Handwerkszeug zum Messen von Hutgrößen. Am Stand des Regensburger Traditionsbetriebes „Hutkönig“ auf der Nürnberger Freizeitmesse.

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Am Messestand des Hutkönigs sind auch alte Handwerksgeräte und einige der etwa 5000 unterschiedlichen Holzhutformen aus den verschiedenen Epochen zu bewundern, über die der Traditionsbetrieb verfügt.

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Kleine Auswahl der Herrenhüte beim „Hutkönig“ auf der Nürnberger Freizeitmesse.

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Am Messestand des Hutkönigs sind auch alte Handwerksgeräte und einige der etwa 5000 unterschiedlichen Holzhutformen aus den verschiedenen Epochen zu bewundern, über die der Traditionsbetrieb verfügt.

Am Stand des Hutkönigs auf der Nürnberger Freizeit Messe
Kleine Kunstwerke der Modistinnen sind selbstverständlich diese Damenhüte, die aber nur einen sehr kleinen Aussschnitt aus dem Gesamtangebot darstellen.

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